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30.10.2010 - 20:00
Panorama-Restaurant "Papillon" im Arcadia-Hotel-Suhl

Harry Rowohlt liest und erzählt/ provinzschrei-Nachlese

Harry Rowohlt liest und erzählt/ provinzschrei-Nachlese 

Harry Rowohlt liest und erzählt

 

provinzschrei-Nachlese mit dem berühmtesten deutschen Übersetzer, Erzähler und Trinker*

 

»Früher uferten seine Lesungen regelmäßig aus. Er erzählte eine Anekdote und nahm ein Glas, machte eine Anmerkung und nahm ein Glas, am Ende hatten sich die Zuschauer vier bis sechs Stunden amüsiert. »Schausaufen mit Betonung« nannte er das, legte aber Wert darauf, dass er »erst zehn Minuten nach der Lesung besoffen« war. Das alles änderte sich 2007. Da wurde bei ihm Polyneuropathie diagnostiziert, eine Nervenkrankheit, die die Extremitäten befällt. Er konnte nicht mehr gehen, »die Füße melden Glatteis, auch wenn man sieht, dass da gar keins ist«. Seitdem trinkt er nicht mehr – »zum Erstaunen meines Neurologen«. Das Gehen klappt wieder, die Lesungen erreichen fast wieder die alte kultige Länge. Doch die weiteren Aussichten beschreibt er mit Zynismus: »Leider gehört auch der Kopf zu den Extremitäten, weshalb ich jetzt im Schnelldurchlauf so dumm werde, wie die meisten Menschen bereits sind. Dann wird es schön, dann werde ich endlich verstanden.« Denn Rowohlt ist ein Bildungsbürger, wie er kaum besser im Buche stehen könnte. (...) Zugleich ist ihm der leicht unbürgerliche Auftritt wichtig, womöglich pflegt er allein deshalb seinen Rauschebart. (...) Mit Behagen erinnert der Autor daran, dass er in Hamburg wegen seines Aussehens mal nicht zu seiner eigenen Lesung zugelassen worden ist.« (Quelle: 26. 03. 2010; Anne Grages und Sabine Maguire, auszugsweise in www.wz-newsline.de; Westdeutsche Zeitung)

 

Harry Rowohlt wurde am 27. März 1945 in Hamburg geboren. Früh schon las er sich in der Bibliothek seiner Großmutter Weltliteratur an, schulte sein Vokabular an Autoren wie Fedor von Zobeltitz und wünschte sich einen Bart. Er besuchte das Walddörfer-Gymnasium in Hamburg und absolvierte eine Lehre als Verlagsbuchhändler beim Suhrkamp Verlag in Frankfurt am Main. Später war er Volontär im nunmehr von seinem Halbbruder Heinrich Maria Ledig-Rowohlt geleiteten Rowohlt Verlag. Sein Amerikanistikstudium in München absolvierte er an einem Freitag innerhalb von zweieinhalb Stunden. Harry Rowohlt arbeitete zeitweilig auch bei der New Yorker Grove Press, später in Deutschland als Werbetexter in einer Werbeagentur. Seit 1971 ist er freiberuflicher Übersetzer aus dem Englischen. Daneben wurde er bekannt als Vortragskünstler, als Autor der Kolumne »Pooh‘s Corner« in der Zeit sowie als Darsteller des Obdachlosen Harry in der Fernsehserie Lindenstraße.

 

*Schweizer Radio DRS 3, 14.05.2008

 

Die Lesung wird präsentiert von der Rimbach Buchhandlung.